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Wie entsteht unabhängiger Journalismus – und was können Bürger dazu beitragen?

David Schraven, Gründer von CORRECTIV, zu Gast in der Kulturgießerei Saarburg am Donnerstag, 24. September 2026 um 19 Uhr, Eintritt frei

Wer entscheidet eigentlich, welche Geschichten recherchiert werden? Wie kann Journalismus unabhängig arbeiten, wenn es keine Werbung, keine Paywall und kein klassisches Abo-Modell gibt? Und welche Rolle können Bürgerinnen und Bürger dabei selbst übernehmen?

Am 24. September um 19 Uhr kommt David Schraven, Gründer und Publisher von CORRECTIV, in die Kulturgießerei Saarburg. Unter dem Titel „Die CORRECTIV-Story“ erzählt Schraven, wie aus der Idee eines gemeinnützigen Recherchebüros eines der heute größten gemeinwohlorientierten Medienhäuser im deutschsprachigen Raum wurde. Vor allem aber geht es um die Frage, wie Journalismus heute und morgen funktionieren kann – und was eine Gesellschaft braucht, um sich unabhängig informieren zu können.

Der Abend ist ausdrücklich als Bürgerdialog im Rahmen des Bundesprogramms Demokratie angelegt: Nach dem Impulsvortrag besteht Raum für Fragen und Diskussion. Damit kommt nicht nur ein Journalist nach Saarburg, der über seine Arbeit berichtet. Es geht um ein Thema, das jeden betrifft, der wissen möchte, wer Informationen recherchiert, wie sie finanziert werden und wem Journalismus eigentlich verpflichtet ist.

Von sieben Mitarbeitenden zum Medienhaus

Als David Schraven CORRECTIV 2014 in Essen gründete, begann das gemeinnützige Recherchezentrum mit sieben Mitarbeitenden. Heute arbeiten dort mehr als 180 Menschen. Finanziert wird CORRECTIV nach einem Drei-Säulen-Modell aus privaten Spenden, institutioneller Förderung durch Stiftungen und Institutionen sowie eigenen wirtschaftlichen Aktivitäten wie Büchern und Workshops. Werbung, Paywall und klassische Abonnements gibt es nicht. Staatliche Förderung nimmt CORRECTIV nach eigenen Angaben ausschließlich für Medienbildung in Anspruch, nicht für Recherche und redaktionelle Arbeit.

Bekannt wurde CORRECTIV mit Recherchen, die weit über die klassische politische Berichterstattung hinausreichen. Die CumEx-Files machten 2018 den milliardenschweren Steuerbetrug rund um Cum-Ex-Geschäfte öffentlich. Die Potsdam-Recherche über ein Treffen von AfD-Politikern, Unternehmern und Rechtsextremen zu sogenannten „Remigrations“-Plänen löste 2024 bundesweit Demonstrationen aus. 2026 beschäftigten sich CORRECTIV-Recherchen unter anderem mit Schadstoffen in Badeseen und mit geheimen Vatikan-Akten zum Umgang der katholischen Kirche mit Missbrauchsfällen.

Wenn Bürger selbst zu Mitrechercheuren werden

Ein weiterer Schwerpunkt des Abends ist die Frage, wie Journalismus und Gesellschaft miteinander arbeiten können. CORRECTIV hat dafür verschiedene Beteiligungsformate entwickelt. Beim CrowdNewsroom können Bürgerinnen und Bürger vertraulich Informationen und Dokumente mit Journalistinnen und Journalisten teilen und damit selbst Teil einer Recherche werden. Das CORRECTIV.Faktenforum ermöglicht kollaboratives Faktenchecken und hat inzwischen mehr als 1.200 registrierte Mitwirkende.

Auch der Lokaljournalismus steht im Mittelpunkt der Arbeit: Im Netzwerk CORRECTIV.Lokal sind inzwischen mehr als 2.000 Lokaljournalistinnen und -journalisten aus ganz Deutschland miteinander verbunden. Gemeinsam werden Wissen und Recherche-Ressourcen geteilt – gerade in einer Zeit, in der viele Lokalredaktionen mit weniger Personal und kleineren Budgets arbeiten müssen.

Ein Wiedersehen mit CORRECTIV in Saarburg

Der Abend knüpft an eine Veranstaltung im Februar an: Am 19. Februar war Marcus Bensmann, ebenfalls Reporter bei CORRECTIV, mit einer Lesung aus seinem Buch „Niemand kann sagen, er hätte es nicht gewusst“ in der Kulturgießerei zu Gast. Nun steht mit David Schraven nicht eine einzelne Recherche, sondern die Geschichte hinter dem Medienhaus selbst im Mittelpunkt.

David Schraven, Jahrgang 1970, arbeitete unter anderem für die taz, die NZZ, den WDR und die Welt-Gruppe, bevor er 2014 CORRECTIV gründete. 2025 erschien sein Buch „Die CORRECTIV-Story“, in dem er den Aufbau und die Entwicklung des gemeinnützigen Medienhauses beschreibt.

Der Bürgerdialog ist Teil der Programmschiene „Gesellschaft“ der Kulturgießerei Saarburg. Sie widmet sich Fragen, die eine Gesellschaft in Zeiten des Umbruchs beschäftigen – mit fundierter Information, unterschiedlichen Perspektiven und Raum für Austausch. Gefördert wird die Veranstaltung aus Mitteln der Partnerschaft für Demokratie in der Verbandsgemeinde Saarburg-Kell.