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Rag Doll – Welcome to the Roaring Twenties: Der frühe Blues war weiblich

Beim Blues denken viele zuerst an einen Mann mit Gitarre. Doch schwarze Sängerinnen prägten den frühen Blues entscheidend. Bessie Smith, Ma Rainey und Alberta Hunter machten in den 1920er Jahren Liebe und Begehren, Arbeit und Geld, Ärger und Unabhängigkeit zum Stoff ihrer Songs. Sie erzählten von ihrem Leben – direkt, selbstbewusst und aus eigener Perspektive.

Das Berliner Trio Rag Doll widmet sich am 24. Oktober dem Classic Female Blues der 1920er Jahre. Käthe von T. (Gesang), Ulrikke Hanspach-Torkildsen (Posaune/Gesang) und Amy Protscher (Piano/Gesang/Percussion) bringen die Musik auf die Bühne und erzählen zwischen den Songs von den Sängerinnen, ihren Lebensgeschichten und den gesellschaftlichen Verhältnissen ihrer Zeit. Historisches Hintergrundwissen, ausdrucksstarke Gestik und Humor gehören ebenso zum Abend wie die Musik selbst.

Dass der Blues von damals weit mehr zu bieten hat als Schwermut, zeigt sich auch in den Songs: Es geht um Liebeskummer und Begehren, aber ebenso um Selbstbestimmung, wirtschaftliche Not und den ganz normalen Ärger des Lebens. Viele der Sängerinnen schrieben ihre Songs selbst und machten persönliche Erfahrungen zum Ausgangspunkt ihrer Musik.

Wie selbstbewusst sie dabei auftreten konnten, zeigt Ma Raineys „Prove It On Me Blues“. Nachdem sie 1925 in Chicago wegen einer als „unanständig“ bezeichneten Party festgenommen worden war, griff sie den Vorwurf drei Jahre später in einem Song auf und drehte ihn um: Wer ihr etwas vorwerfe, solle es erst einmal beweisen. Eine zum Song veröffentlichte Anzeige zeigt Rainey im Herrenanzug beim Flirt mit zwei Frauen, während ein Polizist zusieht. Neben diesem Stück stehen unter anderem Bessie Smiths „Empty Bed Blues“ und Alberta Hunters „My Castle’s Rockin’“ auf dem Programm.

Eine Besonderheit von Rag Doll: Während in klassischen Bluesformationen häufig die Frauen sangen und Männer die Instrumente spielten, musizieren bei diesem Trio alle drei Künstlerinnen selbst. So entsteht kein musealer Rückblick, sondern ein lebendiger Konzertabend über eine Musik, die schon vor hundert Jahren erstaunlich direkt, eigenwillig und selbstbewusst war.

Der Abend bildet den Abschluss des Kultursommer-Programms 2026 auch im Rahmen der Kulturtage des Kreises Trier-Saarburg in der Kulturgießerei Saarburg. Mit „Welcome to the Roaring Twenties“ richtet Rag Doll den Blick auf schwarze Sängerinnen, die den frühen Blues prägten und sich mit ihrer Musik Gehör verschafften.