Interview von Hans-Conrad Walter, Kulturberatung und Kulturmanagement, Berlin
mit Jürgen Dixius, Bürgermeister der Verbandsgemeinde Saarburg-Kell
Als ehrenamtlicher Bürgermeister der Stadt Saarburg haben Sie viele nutzenstiftende kommunalpolitische Projekte auf den Weg gebracht und erfolgreich umgesetzt. Auf welche Projekte sind Sie besonders stolz, und welche davon begleiten Sie in Saarburg in Ihrer Funktion als hauptamtlicher Bürgermeister der Verbandsgemeinde Saarburg-Kell noch heute?
Besonders stolz bin ich auf die Bewältigung der Konversion des ehemaligen französischen Kasernengeländes, wo mit den »Saarburg Terrassen« ein lebendiges Wohnquartier mit vielfältigen Wohnformen entstanden ist, das viele neue Bewohner:innen anzieht und mit dem »Küchenhaus« auch Schulungsräume und zukünftig Gastronomie bietet. Ebenso wichtig war die Ansiedlung von Betrieben, die Sanierung der Burg Saarburg, die Umgestaltung des Bahnhofsgeländes, der Bau von drei neuen Kitas sowie die Kreisverkehre in der Innenstadt. Auch der Ausbau des Tourismus in vielen Bereichen, u. a. die Realisierung eines Hotels, die vielfältigen Einkaufsmöglichkeiten und der Ankauf der ehemaligen Glockengießerei Mabilon waren bedeutende Projekte. Für unsere Einsatzkräfte konnten neue Unterkünfte geschaffen werden. Als Bürgermeister der Verbandsgemeinde unterstütze ich weiterhin das von mir mitgegründete »Lokale Bündnis für Familie« und begleite es durch strategische Unterstützung, Netzwerkarbeit und die Sicherstellung von Ressourcen und Fördermitteln.
Bis zum Jahr 2020 waren Sie auch Vorstandsvorsitzender des Lokalen Bündnisses für Familie e. V., Trägerverein der Kulturgießerei Saarburg. Seitdem ist hier auf dem Areal der ehemaligen Glockengießerei Mabilon ein vielbeachtetes soziokulturelles Zentrum entstanden, das jährlich von über 29.000 Besucherinnen und Besuchern genutzt wird. Was waren damals die Gründe für die Inwertsetzung des charmanten Industriedenkmals als vielbesuchtes Museum und als Veranstaltungsort für Kleinkunst sowie soziale Begegnungsstätte?
Die ehemalige Glockengießerei Mabilon besitzt als Kulturdenkmal eine besonders starke historische und kulturelle Strahlkraft. Mit dem Erhalt und der Inwertsetzung konnte ein Wahrzeichen der Stadt Saarburg und ein Symbol unserer Geschichte bewahrt werden. Der dortige Aufbau eines soziokulturellen Zentrums hat einen Ort geschaffen, der Identität stiftet und Begegnungen ermöglicht. Die Kulturgießerei ist heute ein lebendiger Raum für Kunst, Geschichte, Kultur und soziale Veranstaltungen und bereichert das Leben in der Stadt Saarburg auf vielfältige Weise.
In Ihrer Doppelfunktion als Bürgermeister der Stadt Saarburg und der Verbandsgemeinde Saarburg-Kell haben Sie im Juni 2024 auf Initiative der Geschäftsführerin der Kulturgießerei Saarburg, Dr. Anette Barth, eine Zukunftskonferenz eröffnet und mit den 50 Mitarbeiter:innen einen langfristigen Transformationsprozess für das soziokulturelle Zentrum eingeleitet. Welche Veränderungen nehmen Sie seitdem wahr, und wie fördert die Verbandsgemeinde Saarburg-Kell zukünftig die Mission und Vision?
Seit der Zukunftskonferenz hat sich in der Kulturgießerei eine spürbare Dynamik entwickelt. Gemeinsam mit dem Team wurden Konzepte entwickelt, welche die Kulturgießerei als starke Kulturmarke positionieren. Der Fokus liegt auf der Weiterentwicklung von Kulturformaten, einer familienfreundlichen Programmgestaltung und der wirtschaftlichen Eigenständigkeit des Zentrums. Die Verbandsgemeinde Saarburg-Kell unterstützt diesen Transformationsprozess durch enge Zusammenarbeit, verlässliche Rahmenbedingungen, die Förderung innovativer Projekte und die Bereitstellung notwendiger Ressourcen, damit Mission und Vision der Kulturgießerei langfristig umgesetzt werden können.
Sie haben sich bereits als Jugendlicher im Vorstand eines Musikvereins engagiert, in dem Sie auch Trompete und Tenorhorn spielten. Inwieweit haben dieses ehrenamtliche Engagement und auch die Förderung Ihres künstlerischen Talents Ihr Demokratieverständnis und Ihre spätere politische Karriere beeinflusst? Und warum würden Sie insbesondere jungen Menschen aus der Region empfehlen, sich in der Kulturgießerei Saarburg zu engagieren und die Veranstaltungen zu besuchen?
Mein ehrenamtliches Engagement in verschiedenen Vereinen hat mir früh Werte wie Verantwortungsbewusstsein, Teamarbeit und das aktive Mitgestalten einer Gemeinschaft nähergebracht. Diese Erfahrungen haben mein Verständnis von Demokratie und mein kommunalpolitisches Engagement geprägt, weil ich früh gelernt habe, dass gemeinsames Handeln und Verantwortung übernehmen notwendig sind, um gute Entscheidungen zu treffen. Das Ehrenamt fördert auch Disziplin und Kreativität – ich empfehle daher jungen Menschen aus der Region, sich in Vereinen einzubringen oder sich in der Kulturgießerei Saarburg zu engagieren, da hier Kultur, Austausch und persönliches Wachstum gefördert werden.
JÜRGEN DIXIUS ist 65 Jahre alt und stammt aus Winterspelt (Eifelkreis Bitburg-Prüm). Er hat Forstwirtschaft im baden-württembergischen Rottenburg am Neckar studiert und kam 1986 als Förster nach Saarburg. Seit 1999 ist er für die CDU im Saarburger Stadtrat aktiv. Er stieg gleich als Fraktionsvorsitzender ein. 2004 wurde er erstmals zum ehrenamtlichen Stadtbürgermeister gewählt. Seit 2014 ist er auch hauptamtlicher Bürgermeister, zunächst der Verbandsgemeinde Saarburg, seit Januar 2019 dann der fusionierten Verbandsgemeinde Saarburg-Kell.