Widerstand & Solidarität
Veranstaltungsreihe
Für Widerstand gibt es keine Gebrauchsanweisung
Teil I
Matthias Haas, ein Gegner des NS-Regimes und seine luxemburgischen Helfer
1. Oktober 2026 | 19 Uhr | Eintritt frei | Kulturgießerei Saarburg
Die grenzübergreifende Zusammenarbeit von Widerstandskämpfern gegen das NS-Regime ist bisher noch viel zu wenig untersucht worden. Leider bleibt die Forschung oftmals innerhalb der nationalen Grenzen und vernachlässigt die transnationalen Netzwerke, die es beispielsweise zwischen Luxemburg und Deutschland bereits ab 1933 gegeben hat.
Anhand der Widerstandsbiografie von Matthias Haas und seiner Frau zeigt der Historiker Günter Heidt, wie diese Netzwerke arbeiteten und welchen Schwierigkeiten sie ausgesetzt waren. Haas kam bereits aus einer Familie, die gegen Nationalismus und Militarismus eingestellt war. Sein Urgroßvater gehörte zu den ersten Sozialdemokraten im Saarburger Raum. Die Lektüre des Buches „Mein Kampf“ zeigte ihm, dass Hitler für Krieg, Kampf und Militarismus stehe. Nach seinem Eintritt in die KPD gründete er im Juni 1933 eine Anti-Hitler-Gruppe und stellte Kontakte zur Luxemburger Kommunistischen Partei her. Zur Tarnung nahm er in Luxemburg eine Stelle in einem Malerbetrieb an. Haas war in Zusammenarbeit mit der KPD-Zentrale in Saarbrücken bis zu seiner Verhaftung 1935 zuständig für die heimliche Herstellung und Verteilung von Flugblättern in der Grenzregion. Die aus Luxemburg eingeschleusten Flugblätter wurden u. a. auch in Saarburg und Mannebach verteilt. 1936 wurde Haas vom Volksgerichtshof in Hamm/Westfalen wegen Hochverrats zusammen mit weiteren Kommunisten aus dem Trierer Raum, darunter Willi Torgau, angeklagt und zu drei Jahren Zuchthaus verurteilt, die er bis zum 30. Januar 1939 im Zuchthaus Siegburg verbüßen musste. Nach erneuter Schutzhaft wurde er 1939 entlassen und ging mit seiner Frau nach Luxemburg ins Exil, wo sie gemeinsam weiterhin in der KPL aktiv war. Sie verhalfen u. a. französischen und serbischen Kriegsgefangenen zur Flucht, verteilten Flugblätter und vieles andere mehr. Nach der Befreiung war Matthias Haas in der Stadtverwaltung Trier tätig und als Vertreter in der Organisation „Opfer des Faschismus“ aktiv.
Der Beitrag von Günter Heidt wird moderiert und ergänzt von der Historikerin Dr. Kathrin Mess, deren Forschungsschwerpunkt in der Resistenz von Luxemburger Frauen gegen das NS-Regime liegt.
Für Widerstand gibt es keine Gebrauchsanweisung
Teil II
Frauen aus der Grenzregion gegen den Nationalsozialismus
15. Oktober 2026 | 19 Uhr | Eintritt frei | Kulturgießerei Saarburg
Von 1933 bis 1945 widersetzten sich zahlreiche Frauen grenzübergreifend dem NS-Regime. Frauen aus unterschiedlichen politischen und sozialen Milieus druckten und verteilten Flugblätter und illegale Zeitschriften, sammelten Geld für in Not geratene Familien, versteckten Deserteure und politische Flüchtlinge und brachten sie über die Grenze und vieles andere mehr.
Dennoch wurden sie nach Kriegsende oftmals auf ihre weiblichen Rollen der Helferinnen und Unterstützerinnen ihrer Männer, Brüder oder Väter festgelegt. Ihre Aktivitäten wurden nicht als selbstständige Handlungen wahrgenommen und gewürdigt. Auch in der öffentlichen Wahrnehmung und Forschung kamen sie lange nicht vor.
Aber was waren das für Frauen, die in unserer Region Widerstand geleistet haben, bzw. wie waren sie sozialisiert? Gibt ihre Sozialisation bereits Hinweise auf die Formen des Widerstands? Was können wir heute über diese Frauen wissen und wie gehen wir mit diesem Wissen um? Und: Wie wurde der Widerstand von Frauen im öffentlichen Gedächtnis repräsentiert – welche dominanten Narrationen gibt es dazu in Deutschland, Luxemburg und Frankreich – damals und heute?
In ihrem Vortrag wird die Historikerin und Buchautorin Dr. Kathrin Mess die beeindruckenden Geschichten von Widerstand, Solidarität und grenzübergreifender Zusammenarbeit beschreiben und weitertragen, um ihrer würdig zu gedenken.